Der erste Kurs des Unternehmens auf dem Parkett betrug 25,38 Euro und lag etwas über dem Ausgabepreis von 25 Euro je Aktie. Das ließ Gutes erwarten. Doch nicht lange nach dem Börsengang im Sommer 2021, der Mister Spex 245 Mio. Euro in die Kasse spülte und Gründer Dirk Grabner reich machte, kam die Ernüchterung. Anfang Oktober 2021 begann der Kurs deutlich zu sinken. Nach einer kurzen Erholung Ende desselben Monats ging es kontinuierlich bergab. Seit Anfang 2023 liegt die Notierung bei knapp über drei Euro. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
„Dank des großen Investoreninteresses können wir mit den zusätzlichen Mitteln aus dem Börsengang sowohl in Deutschland als auch international unsere ambitionierten Wachstumspläne mit voller Kraft umsetzen“, sagte Vorstand Mirko Caspar damals. Wachstum um jeden Preis. Es hat wohl nichts gebracht. Im Dezember 2023 nahm Caspar seinen Hut.
Was ist geschehen, dass ein mit viel Tamtam gefeiertes Startup so böse versagt? Der Geschäftsbericht 2023 offenbart, dass Mr. Spex kein profitables Geschäftsmodell hat. Im Gegenteil. Es scheint, dass hier seit Jahren konsequente Kapitalvernichtung praktiziert wird, bis das Geld aus dem Börsengang verbrannt ist. Und nichts deutet darauf hin, dass jemand gegensteuert.
Jedes Jahr fast 50 Mio. Verlust
Gibt es überhaupt eine Chance der Besserung? Das ist die einzige Frage, die nach einem Blick in den jüngsten Geschäftsbericht 2023 im Raum steht. Möglicherweise ja, aber dafür sind harte Einschnitte nötig. Wie weit Mister Spex davon entfernt ist, Geld zu erwirtschaften zeigt die folgende Auflistung:
- Bruttoertrag 2023 nach Materialkosten: +113 Mio. (100%)
- Minus Personalaufwand: -62 Mio. (55%)
- Minus „sonstige Aufwendungen“ wie Marketing, Betriebskosten: -62 Mio. (55%)
- Minus Abschreibungen, Wertberichtigungen: -43 Mio. (38%)
- Das Ergebnis (2023) ist schockierend negativ und in Summe: -48 Mio. (-42%)
Kann ein Unternehmen, das in 2023 eine Kapitalvernichtung in Höhe von 48 Mio. Euro auf 113 Mio. Rohertrag erwirtschaftet, dem Untergang überhaupt entgehen? Was passiert bis 2026, wenn das Geld aus dem Börsengang aufgebraucht sein könnte, wenn weiterhin fast 50 Mio. Wertvernichtung pro Jahr erfolgt? Sind die Annahmen aus dem Börsenprospekt 2021 überhaupt noch realistisch?
„In drei Jahren ist die Kasse leer und Mister Spex insolvent, wenn nicht bald etwas geschieht. Ich fordere das Management zum Handeln auf.“
Sascha Magsamen
Denn dort stand 2021 Verheißungsvolles über die Chancen des digitalen Brillenhandels: „Wir glauben, dass diese geringe Online-Durchdringungsrate in unseren Zielmärkten ein erhebliches Aufwärtspotenzial birgt. Umfragen, die wir bei Dynata in Auftrag gegeben haben (The Dynata Report), zeigen, dass mehr als 50% der Teilnehmer einen Online-Kauf von Brillen in Betracht ziehen würden. Nahezu 50% der Brillenkäufe beginnen bereits online, wobei die Kunden entweder die Marke oder den Händler im Internet prüfen, Kundenrezensionen lesen oder Preise vergleichen.“
In drei Jahren ist die Kasse leer
Mister-Spex-Aktionär Sascha Magsamen von der Frankfurter Beteiligungsfirma PVM Private Values Media AG sieht trotz der düsteren Aussichten Chancen auf Besserung und ermahnt die Verantwortlichen: „In drei Jahren ist die Kasse leer und Mister Spex insolvent, wenn nicht bald etwas geschieht. Ich fordere das Management zum Handeln auf.“
Kann ein Unternehmen, das in 2023 eine Kapitalvernichtung in Höhe von 48 Mio. Euro auf 113 Mio. Rohertrag erwirtschaftet, dem Untergang überhaupt entgehen? Magsamen glaubt ja. Und will sich dafür einsetzen, dass Mister Spex nicht nur überlebt, sondern zu einem erfolgreichen Unternehmen wird, wie es der Gründer einst versprach.
