Der rheinische Börsenaktivist Ulrich Ziemes hat schon so manche Hauptversammlung in Unruhe versetzt. Bei Mister Spex steht er für den Aktionär Sascha Magsamen in der Bütt und formuliert Thesen, die dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Tobis Krauss nicht gefallen dürften.
Ulrich Ziemes: meine Thesen
- Die Aktie von Mister Spex wurde von den aktuell verantwortlichen Aufsichtsräten unter Beihilfe von Tobias Krauss in die Bedeutungslosigkeit begleitet. Bravo! Dieses Gremium ist Teil des Problems, verweigert sich aber dieser Erkenntnis.
- Die aktuell geplante Verkleinerung des Aufsichtsrates ist der Versuch, sich zu verschanzen, um fähigere Köpfe nicht in peinliche Details der Vergangenheit einweihen zu müssen.
- Die Kündigungen von Claus-Dietrich Lahrs und Gils Steyaert nach knapp vier Wochen Tätigkeit im Aufsichtsrat ist ein Alarmsignal und die Aufforderung zu personellen Veränderungen, die Tobias Krauss als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats offenbar nicht will.
- Tobias Krauss ist der für 6 Jahre (!) mandatierte Erfüllungsgehilfe für die Belange des Hauses Büll. Er verfügt über keinerlei belegbare Erfahrungen in der Sanierung eines Einzelhandelsunternehmens. Nichts qualifiziert ihn fachlich für die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden der Mister Spex SE – außer das Vertrauen von Albert Büll und seiner Familie.
- Derselbe Tobias Krauss hat in den vergangenen Jahren im Aufsichtsrat keinen einzigen positiven Impuls für profitables Wachstum gegeben. Er handelt wie Industriesanierer handeln: Entlassungen, Schließungen, radikale Kostensenkungen ohne Wachstumsimpulse. Und scheinbar keine Strategie zur Verbesserung der Einkaufskonditionen. Tobias Krauss wird vom gutbezahlten Mitläufer zur Belastung des Unternehmens.
- Tobias Krauss erwies sich als Gegner des Teamplay-Gedankens, als sich Investoren darum bemühten, Mister Spex eine Wachstumsperspektive zu geben. Er begreift nicht, dass Mister Spex an den Einkaufkonditionen und Rohertragsmargen krankt.
- Tobias Krauss ist kein Mann des Kapitalmarktes, sondern des industriellen Mittelstandes. Der Kapitalmarkt wendet sich aufgrund seiner Unerfahrenheit von Mister Spex ab. Der Aktienkurs belegt dieses Misstrauen. Nach der Ernennung von Tobias Krauss zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats ging der Kurs nicht um einen Euro nach oben.
- Tobias Krauss lässt bewusst den bisherigen CFO Stephan Schulz-Gohritz als Interims-CEO arbeiten, um das operative Geschäft auf die Ebene unter dem Vorstand zu verlagern. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates lässt es sich ohne CEO besser in das Unternehmen hineinregieren.
- Tobias Krauss installierte seinen Vertrauten Christopher Douglas aus dem Hause Büll in der neuen Funktion des Chief Restructuring Officer (CRO). Douglas kennt die Büll-Einkaufszentren gut. Mister Spex unterhält ca. 70 Ladengeschäfte in Deutschland. Die Objektivität bei anstehenden Store-Schließungen ist fraglich, wenn der Vermieter mit dem Namen Büll verbunden ist. Es besteht die theoretische Gefahr, dass die Büll-Clique nicht primär für Mister Spex arbeitet, sondern Gelder in das Büll-Immobilien-Imperium umlenkt.
- Tobias Krauss installierte Francesco Liut aus dem Hause EssilorLuxottica als Chief Commercial Officer (CCO) und Prokurist und ließ ihn von den Beschränkungen des §181 befreien. Nichtsdestotrotz agiert Liut mit den Zuständigkeiten eines CEO. Das verstößt wohl gegen den Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK, Grundsatz 1): Der Vorstand leitet das Unternehmen.
- Tobias Krauss verstößt möglicherweise auch gegen Grundsatz 2 des GCGK: Der Vorstand bestimmt die Strategie des Unternehmens. Nicht so bei Mister Spex. Da bestimmen offensichtlich zwei Prokuristen: der CRO mit dem CCO unter den Augen des Aufsichtsrats.
- Tobias Krauss verstößt möglicherweise auch gegen Grundsatz 3 des DCGK. Denn nach dem Abgang der Personalvorständin wurden keine Frauen mehr in den Vorstand oder die Führungsebene darunter geholt. Das ist nicht zeitgemäß und dürfte dem Börsenkurs Schaden zufügen.
- Der Hobby-Automobilist Tobias Krauss bezeichnete 2022 die Rettung von 100 Hunden aus der Ukraine als seine größte Leistung. Als Aufsichtsrat verantwortete er bei Mister Spex im selben Jahr ca. 56 Mio. Euro Verlust. Mister Spex braucht Einzelhandelsspezialisten und keine hedonistischen Weltverbesserer.
- Tobias Krauss zeigt sich auf Social Media lasziv auf seinem Sofa liegend mit Hunden. Ein seriöser Manager braucht keine Hunde, um sympathisch zu wirken. Ein seriöser Manager macht Unternehmen erfolgreich und profitabel. Dadurch ist Tobias Krauss bisher nicht aufgefallen.
- Tobias Krauss ist bemüht, sein Netzwerk eng an sich zu binden, wie Besetzungen bei Mister Spex aus dem Umfeld der Managementberatung Porsche Consulting und die schnelle Installation des Herrn Douglas als COO aus dem Büll-Netzwerk belegen.
- Tobias Krauss degradiert Angestellte, wie zum Beispiel Andreas K., der im August 2022 als COO antrat und ersetzt wurde. Offensichtlich sollte jemand von EssilorLuxottica ins operative Management geholt werden. Dadurch könnte die Verhandlungsposition von Mister Spex hinsichtlich der Einkaufkonditionen bei Luxottica geschwächt worden sein.
- Tobias Krauss versäumte, die verschiedenen Geschäftsbereiche, die vorher Vorstandsaufgaben des CEO und der Personalvorständin waren, dem CFO und Interims-CEO zuzuordnen. Das verstößt gegen die Satzung der Gesellschaft.
- Tobias Krauss findet keinen Lösungsansatz für den grotesken Umstand, dass fast alle Wettbewerber von Mister Spex mit einer Rohertragsmarge von über 65% arbeiten, nur Mister Spex selbst bei ca. 50% verharrt. Er hat offensichtlich keine Strategie.
- Tobias Krauss bucht TV-Werbung für die Wellenfrontanalyse mit dem neuen Visionix, ein Gerät und Verfahren, das jeder vernünftige Optiker benutzt. Damit erklärt er die Online-Selbstanalyse für gescheitert, die jahrelang ein Alleinstellungsmerkmal der Marke war. Er degradierte Mister Spex zu einer banalen, kleinen Optikerkette mit den schlechtesten Einkaufkonditionen der Branche.
- Tobias Krauss ließ überraschend alle Auslandsfilialen schließen. In der ordentlichen Hauptversammlung im Juni 2024 wurde allen Fragen dazu ausgewichen und mögliche Auskünfte zu Geschäftsgeheimnissen erklärt. Das führte zu Auskunftsklagen von Aktionären. Dies droht jetzt erneut, da unbekannt ist, ob wirklich die unprofitabelsten Geschäftsteile geschlossen wurden. Auch unter Tobias Krauss findet kein ehrlicher Umgang mit Aktionärsfragen statt.
- Tobias Krauss ist sicherlich bewusst, dass im Prospectus zum Börsengang die Internationalisierung des Geschäftsmodells wesentlicher Faktor für die Werthaltigkeit des Unternehmens und Rechtfertigung des damaligen Emissionspreises war. Es gibt keinen Hinweis darauf, warum Mister Spex nicht international erfolgreich werden kann, wie z.B. Fielmann oder EssilorLuxottica.
- Tobias Krauss lieferte keinen Hinweis darauf, dass die positive Fortführungsprognose durch die eingeleiteten Maßnahmen zu erreichen ist. Die bekannten Maßnahmen reichen keineswegs für ein ordentliches, positives EBIT ohne fadenscheinige Korrekturberechnungen.
- Tobias Krauss war als Aufsichtsrat von Beginn an verantwortlich für die fragwürdige Mandatierung von Steueranwälten der Cum-Ex-Kanzlei Freshfields und der Wirecard-Wirtschaftsprüfer von EY.
- Wer als Aktionär nicht erkennt, dass bei Mister Spex frisches Blut in den Aufsichtsrat gehört, der macht sich schuldig am Unternehmen und an den Mitarbeitern.
