Kaum kümmert man sich ein paar Wochen nicht um Mister Spex, steht das Unternehmen Kopf. Eine kurze Zusammenfassung.
Die wichtigste Meldung kam am 17. Juli 20204 um die Ecke: Unternehmensgründer Dirk Grabner verlässt das Management von Mister Spex. Nach knapp 17 Jahren an der Spitze der Firma. Das hatte niemand erwartet! Grabners eigenes Statement zu seinem Ausstieg erfüllt nicht mal die niedrigsten Blabla-Standards für so einen Fall. Keine Spur von Begründung, dafür diese Worthülsen: 16 Jahren Wachstum mit viel Einsatz und Freude… Nachfolger für die nächste Phase zuständig… mehr Zeit für die Familie…
Nun gut, und was ist sonst noch passiert? Neuer Übergangschef ist der bisherige Mister-Spex-CFO Stephan Schulz-Gohritz. Das ist jetzt mäßig aufregend. Dafür rappelt es im Aufsichtsrat.
Großaktionäre drehen auf
Dort wurde im Juli ein gewisser Tobias Krauss (Vertrauter des Großaktionärs Familie Büll) zum Vorsitzenden ernannt, nachdem Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs (ehemaliger Hugo-Boss-CEO) und dessen Stellvertreter Gil Steyaert (ehemaliger Adidas-COO) hingeschmissen haben. Nach nicht mal EINEM Monat Amtszeit! Das ist mehr als ungewöhnlich. Ist das ein brain drain oder reicht das Hirnschmalz im Mister-Spex-Aufsichtsrat noch für den Neustart aus?
Bereits seit 2020 sitzt Krauss im Aufsichtsrat von Mister Spex und fiel bisher nicht weiter auf. Ihm zur Seite steht Nicola Brandolese, der den Strategieausschuss von Mister Spex leitet und schon seit drei Jahren Mitglied des Aufsichtsgremiums ist. Wie man hört, sollen die abgesprungenen Mitglieder nicht nachbesetzt und das AR-Team von 7 auf fünf Mitglieder beschränkt werden. Ist für die beiden neuen AR-Chefs die Mister-Spex-Krise eine persönliche Chance?
Brandolese lässt sich für seine Branchenkompetenz rühmen. Bei der Luxottica Group (EssilorLuxottica ist ebenfalls Großaktionär bei Mister Spex) besetzte er fünf Jahre lang die Spitzenposition des Grup President Retail und beim digitalen Modehändler Net-A-Porter war er Managing Director. Außerdem hat er Ahnung von der Gesundheitsbranche, denn seit 2021 wirkt Brandolese als CEO beim Praxistermin-Portal Doctolib Italia.
Lenkt jetzt der Aufsichtsrat die Geschäfte?
So viel gefühlte Fachkompetenz im Aufsichtsrat – wozu braucht es dann überhaupt noch ein Management?
Ach ja, fast hätte ich noch jemanden vergessen: Ein gewisser Christopher Douglas wurde als Chief Restruction Officer (CRO?) an Bord geholt, um das Sanierungsprogramm „Spex Focus“ umzusetzen. Pikant: Douglas operiert unterhalb der Vorstandsebene, ist also mit erheblich weniger Verantwortung ausgestattet als bei so einer Aufgabe üblich.
Und als Chief Commercial Officer (CCO) heuerte ein Herr namens Francesco Liut an. Der Mann verfügt über Erfahrung im Brillenmarketing und E-Commerce und war jahrelang für die EssilorLuxottica-Gruppe tätig.
Sind das alles Zeichen, dass Mister Spex nun aus dem Aufsichtsrat geführt wird, in dem einflussreiche Vertreter von Großaktionären sitzen, die Schlüsselpositionen im Management mit ehemaligen und gegenwärtigen Angestellten dieser Großaktionäre besetzen?
Und ist das noch legal?
Denn sowohl Douglas war in mehreren Funktionen für die reiche Hamburger Familie Büll tätig als auch Krauss, der nebenbei als Chef des family office Abacon Capital verantwortlich zeichnet, wo der Geldberg der Bülls verwaltet wird.
